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Durchlaufzeit- und Bestände-Halbe - Produktivitätssteigerungen in der Elektronikbranche
[11.07.2002]
"Nicht härter und schneller, sondern anders und intelligenter
arbeiten", lautet die Devise moderner Unternehmensführung.
Produktivitäts-steigerungen setzen voraus, dass bestehende Strukturen
und Prozesse hinterfragt, kritisch betrachtet und kundenorientiert neu
gestaltet werden. Nur so ist eine dauerhafte Erhöhung der betrieblichen
Leistungskraft erzielbar. In Zusammenarbeit mit einem Produzenten aus
der Elektronikbranche wurde ein Konzept zur signifikanten
Durchlaufzeit- und Bestandssenkung in der Fertigung erarbeitet. Der
Anspruch bestand in der Umsetzung einer effizienten und für alle
Mitarbeiter transparenten Fertigungssegmentierung. Teilnehmer des
Workshops waren die Fertigungsleitung sowie alle Gruppenleiter der
Produktion. Der Fokus des Workshops lag daher auf Einflussgrößen, die
direkt durch die Fertigung zu beeinflussen waren.
Die ersten Workshops dienten der Analyse des Produkt- und
Kundenspektrums und der daraus entstehenden Grundanforderungen an die
Fertigung. Insbesondere die Kundenanforderungen "kurze Lieferzeit" und
"kleine (Produkt-) Stückzahl" hatten seitens der Fertigung bislang
nicht zufriedenstellend erfüllt werden können und wurden als Leitlinien
der Prozessverbesserungen definiert. Eine Analyse des Produktspektrums
zeigte auf, dass zwei der elf Produktlinien bereits über 50 % des
Umsatzes generierten. Die Produktlinien wiesen zudem höchst
unterschiedliche Bearbeitungs- und Durchlaufzeiten sowie eine
ausgeprägte Variantenvielfalt auf. Der bisherige Fertigungsablauf
zeichnete sich allerdings durch die Gleichbehandlung aller
Fertigungslose aus und zeugte von einer stark produktorientierten
Grundphilosophie. Die wenigen "Rennerprodukte" (hoher Anteil an Umsatz
und Deckungsbeitrag) wurden durch die zahlreichen "Schneckenprodukte"
erheblich aufgehalten. Einzelne Bereiche, nicht aber der Gesamtprozess
wurden optimiert. Daher waren die langen Durchlaufzeiten hauptsächlich
von Leerzeiten und nicht von Wertschöpfung geprägt. Hohe Endlager- und
"Work-in-Process"-Bestände resultierten aus dieser Grundhaltung und
hatten zur Folge, dass 32 % des Umsatzes in Beständen gebunden war,
ohne den Kunden einen Mehrwert zu liefern. Der im Team
erarbeitete Lösungsansatz berücksichtigte die dargelegten
Analyseergebnisse durch eine räumliche und prozessuale Segmentierung in
"Sprinter-, Standard- und Schnecken-Produkte". In diesem Ansatz wurde
für die Sprinterlinien das Prinzip der Fließfertigung realisiert.
Baugruppenerstellung und Endgerätebau sollten komplett in einer Linie
erfolgen. Der Ablauf sollte nicht mehr von den langsameren Produkten
aufgehalten werden, zudem sollte die Fertigung dieser Produkte außer
der räumlichen Trennung weitere änderungen erfahren. Die
Mindestbestände waren ebenso wie die hinterlegten Pufferzeiten und
Losgrößen durch Berücksichtigung der Wiederbeschaffungszeiten deutlich
zu reduzieren. Des Weiteren wurde im Rahmen des neuen
Fertigungskonzepts jeweils ein interner Ansprechpartner für alle
Produktlinien vorgesehen und die unverzügliche Umsetzung durch die
Aufnahme von Maßnahmen mit Verantwortlichen und Terminierung
sichergestellt. Das erarbeitete Konzept ermöglichte sowohl
finanzielle Einsparungen als auch eine Verbesserung des Kundenservice.
Die Bestandshöhe konnte durch die Fertigungssegmentierung um 55 %
gesenkt werden. Die Durchlaufzeit wurde ihrerseits um 50 % reduziert.
Durch diese Effizienzsteigerungen konnte schließlich auch die
Produktivität um 30 % erhöht werden, ohne das anspruchsvolle
Qualitätsniveau des Herstellers zu beeinträchtigen. In Summe wurde
somit ein Gesamtpotenzial von 1 MEUR ausgewiesen. Weiterführende Literatur: - Bestände-Halbe. Leitfaden zur Senkung und Optimierung des Umlaufvermögens, 6. Auflage, München 2002
- Durchlaufzeit-Halbe. Leitfaden für Wertschöpfungs- und Geschäftsprozesse, 10. Auflage, München 2002
- Fertigungsstrategien. Reorganisationskonzepte für eine schlanke Produktion und Zulieferung, 3. Auflage, München 1997
- Fertigungssegmentierung. Leitfaden zur fluss- und logistikgerechten Fabrikgestaltung, 6. Auflage, München 2002
- Produktivitätsverbesserung.
Leitfaden zur Einführung eines Programms zur kurzfristigen und
permanenten Produktivitätssteigerung, 3.Auflage, München 2002
- Revitalisierung von Unternehmen. Vom Mitarbeiter zum Mitunternehmer, 2. Auflage, München 2001
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