|
|
|
Engpässe in der Produktion: Wie werden Sie beseitigt?
[17.07.2007]
In einem Maschinenbauunternehmen wurden im Bereich der
mechanischen Fertigung konkrete Ansatzpunkte zur unmittelbaren Erhöhung
der Fertigungskapazitäten erarbeitet. Erforderlich wurde diese Maßnahme
auf Grund eines hohen Auftragseingangswachstums und einer steigenden
Kundenunzufriedenheit über lange Lieferzeiten. Das untersuchte
Unternehmen stand vor der Herausforderung, diese Anforderungen aus
Kapazitätssteigerung und Lieferzeitenreduzierung produktionsseitig
umzusetzen.
Den Ausgangspunkt des Programms zur Kapazitätssteigerung bildete
eine detaillierte Prozessanalyse am Produktionsstandort. Ziel dieser
Untersuchung war die Identifizierung vorhandener Verlustquellen in den
Fertigungs- und Montageprozessen. In der Datenanalyse von
Kapazitätskennzahlen wurden die im ERP-System gebuchten Zeiten
hinsichtlich ihrer vier Komponenten Produktiv-, Rüst-, Störungs- und
Instandhaltungszeiten differenziert. Nach Abstimmung mit dem
Datenmanagement konnten die Buchzeiten nach diesen vier Kriterien
erhoben und ausgewertet werden. Damit bestehende Engpässe auf
detaillierter Ebene identifiziert werden konnten, war es wichtig, die
Auswertung auf zwei Ebenen durchzuführen. Zunächst wurden die Daten für
einzelne autonome Prozessschritte, wie Vorfertigung, Bearbeitung,
Lackierung etc. ausgewertet. Im Anschluss daran wurden die
Kapazitätswerte auf Maschinen- bzw. Arbeitsplatzebene ermittelt. Der
Vergleich zwischen den Kapazitätskennzahlen innerhalb eines
Prozessschrittes auf Maschinenebene zeigte Engpässe eines Abschnitts
auf. Ein weiterer Abgleich mit den auf Kapazitäten umgerechneten
Planzahlen auf Jahresbasis deckte vorhandene Kapazitätslücken auf. Die
im System gebuchten Zeiten wurden für die installierten Maschinentypen
hinsichtlich ihrer individuellen Auslastungen grafisch dargestellt, um
mit den beteiligten Mitarbeiter gezielt nach Verbesserungsansätzen
suchen zu können. Zur Steigerung der Produktionskapazität
erfolgte zunächst eine Konzentration auf bestehende Engpässe im
Wertschöpfungsprozess, um die Gesamtkapazität des Systems zu erhöhen.
Gemeinsam mit dem Produktionsmanagement wurden für das Werk fünf Hebel
zur kurzfristigen Erhöhung des Ausstoßes definiert. Diese waren im Einzelnen: - Losgrößenoptimierung,
- partielles Outsourcing,
- Wochenendarbeit,
- Pausendurchläufe und
- Prozessoptimierungen.
Das
systematische Vorgehen sah eine Zuordnung einzelner Hebel zu den
identifizierten Engpässen vor, so dass eine gezielte Umsetzung
ermöglicht wurde. Besonderer Erfolgsfaktor dieser Vorgehensweise war
die mehrfache Wirkung der angesetzten Hebel. Es konnten gleichzeitig
mehrere Hebel zur Kapazitätserhöhung an den Engpässen der einzelnen
Prozesse angesetzt werden. Zur Ausgestaltung der Ansatzpunkte wurde
folgende Vorgehensweise gewählt. Zunächst wurden die in der
Vergangenheit definierten Fertigungslosgrößen untersucht. Die
Untersuchung zeigte, dass die festgelegten Losgrößen nicht am Verbrauch
einzelner Typen ausgerichtet waren, sondern alle mit der gleichen Menge
belegt waren. Die verbrauchsorientierte Optimierung der Losgrößen
reduzierte die Rüstzeitanteile an den Engpassmaschinen um 10 Prozent
und erhöhte die Produktivzeitanteile. Ein weiterer Hebel zur
Steigerung der Fertigungskapazitäten lag in einer partiellen
Verlagerung von internen Wertschöpfungsschritten. In aus
Arbeitsvorbereitung, Einkauf und Entwicklung crossfunktional besetzten
Workshops wurden bisher getroffene Make-or-buy-Entscheidungen
hinterfragt. Durch dieses Vorgehen konnten Arbeitsplanabschnitte und
Teile erfasst werden, die ohne drohenden Know-how-Verlust an Zulieferer
vergeben werden konnten. Durch das Outsourcing eines erheblichen
Kapazitätsvolumens wurde die Gesamtbelastung des Produktionssystems
durch Einbeziehung von Lieferanten reduziert und die Gesamtleistung des
Werks erhöht. Eine auf freiwilliger Basis und zeitlich
beschränkte Erweiterung der wöchentlichen Arbeitszeit auf eine
6-Tageswoche erhöhte die verfügbare Anlagenkapazität an den Engpässen
um 20 Prozent. Durch die Abstimmung dieser Maßnahme mit dem Betriebsrat
konnten die maschinenbezogenen Stückkosten zusätzlich reduziert werden. In
den CNC-Fertigungsbereichen steigerte ein gezielter Pausendurchlauf die
Anlagenverfügbarkeit um 12 Prozent der Gesamtkapazität. Die
Pausendurchläufe konnten durch die Änderung von CNC-Programmen
realisiert werden. In Teilbereichen wurden zusätzliche
Handhabungsgeräte installiert, um eine automatische Bestückung der
Maschinen gewährleisten zu können. Einzelne Prozessoptimierungen
rundeten die Maßnahmen hinsichtlich der Maschinenverfügbarkeit ab. Als
Ergebnis dieses Vorgehens konnte unter Anwendung der genannten
Strategien eine Kapazitätssteigerung von durchschnittlich 45 Prozent
für die untersuchten Maschinen- bzw. Prozesstypen erarbeitet werden.
Das Unternehmen sah sich somit in der Lage, den Rückstand auf das hohe
Auftragseingangsvolumen in einem Zeithorizont von einem halben Jahr
einzuholen. Seminare:Literatur:- Produktionsrisikomanagement
Leitfaden zur Handhabung von produktionsorientierten Risiken und Implementierung eines Risikomanagementsystems ISBN: 3-937236-24-4 - Produktionssysteme
Leitfaden zur methodengestützten Reorganisation der Produktion ISBN: 3-934155-58-8 - Anlagenproduktivität
Leitfaden zur Steigerung der Anlageneffizienz und Verlustquellenminimierung ISBN: 3-929918-70-6 - Fertigungsstrategien
Reorganisationskonzepte für eine schlanke Produktion und Zulieferung ISBN: 3-929918-89-7
nach oben
zurück
|
|
|
|
|
|
|
Management-Seminar
|
Produktklinik & Produktordnungssysteme Unternehmensindividuelle Erschließung von Innovations-, Synergie- und Marktpotenzialen ...mehr Informationen |
|
|
Management-Seminar
|
Produktpiraterieschutz im Unternehmen Mittel zur Sicherung des Absatzes, Schutz der Produkte vor Raubkopierern und Eindämmung des Know-how-Abflusses. ...mehr Informationen |
|
|
Management-Seminar
|
Value Sourcing Einsparungen durch frühzeitige Lieferantenanbindung ...mehr Informationen |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|