Optimierung der Net Working Capital Struktur eines Chemiekonzerns in den USA
[03.11.2003]
Die Notwendigkeit Bestände zu optimieren, hat mittlerweile fast alle
Branchen erfasst. Auch die Chemie- und Pharmabranchen mit traditionell
hohen Margen und einer produktzentrierten Sichtweise haben im Zuge
widriger konjunktureller Bedingungen erkennen müssen, dass Bestände
nicht nur eine finanzielle Belastung darstellen, sondern auch ein
Gradmesser für die Prozessqualität entlang der gesamten
Wertschöpfungskette sind.
Ausgangssituation Im Frühjahr 2003 erhielt TCW den
Auftrag in Zusammenarbeit mit einem in Nordamerika tätigen
Chemieunternehmen die Net Working Capital Struktur zu optimieren. Der
Anspruch bestand in der Reduzierung von Beständen, und der Verbesserung
des Forderungsmanagements. Um diese Verbesserungen nachhaltig zu
gewährleisten, umfasste der Betrachtungsgegenstand die gesamte Supply
Chain. Vorgehensweise Im Rahmen eines Audits wurden
relevante Daten und logistische Steuerungsprinzipien des Unternehmens
analysiert. Eine Grunderkenntnis war die einheitliche Abwicklung aller
Kundenaufträge, unabhängig von Komplexität der zugrundeliegenden
Produkte und Relevanz der Kunden. Um kurzfristig lieferfähig zu sein,
wurden sämtliche Produkte dreizehn Distributionszentren in Nordamerika
vorgehalten. Eine differenzierte Behandlung von Kunden-Produkt-Klassen
wurde ermöglicht, indem im Rahmen eines Workshops unter Einbezug der
Logistik, des Vertriebs und des Marketings qualitative und quantitative
Segmentierungskriterien geschaffen wurden, die in einem
Produktportfolio mündeten. Aus diesem Portfolio leiteten sich
Handlungsempfehlungen für die logistische Handhabung ab. Profitable
Produkte mit hoher strategischer Relevanz werden auf Basis des "make to
stock" - Prinzips produziert. Somit können die relevanten
Produkt-Kunden Kombinationen binnen 24 Stunden geliefert werden.
Produkte mit mittlerer Profitabilität und strategischer Relevanz werden
im Rahmen einer Kalenderwoche geliefert, während Produkte mit niedrigen
Ausprägungen auf "make to order" - Basis erstellt werden. Die Bestände
der beiden letzten Kategorien konnte durch die differenzierte
Vorgehensweise signifikant gesenkt werden. Eng mit der
Produktklassifizierung verbunden war eine Produktportfoliobereinigung,
die ebenfalls zur Bestandssenkung beitrug. Die strategischen
Vorgaben des Produkt-Portfolios wurden durch eine Optimierung der
operativen Logistik ergänzt. Im Rahmen der Beschaffungs- und
Distributionslogistik wurden Just-in-Time-Prinzipien stark ausgeweitet.
Dies zog eine Implementierung der KANBAN-Anbindung im Verbund mit
Kunden und Zulieferern nach sich. Des Weiteren wurde die kundenseitige
Abnahmeprognose effektiver in den unternehmensinternen Planungsprozess
integriert. Eine effizientere Liefer- und Lagerstruktur konnte durch
Reduzierung regionaler Distributionszentren und von Lagerredundanzen
realisiert werden. Die Ausgestaltung der Konditionen der
Kundenkredite, die in Lieferung und Leistung begründet sind, wurde
durch eine stringente Nachverfolgung der "Days Sales
Outstanding"-Kennzahl (DSO) positiv beeinflusst und ist ein laufender
Bestandteil eines effektiven Forderungsmanagements. Ergebnisse
Das erarbeitete Konzept ermöglichte sowohl finanzielle Einsparungen als
auch einen effizienten Kundenservice zur Erfüllung der
Marktanforderungen. Eine Bestandsreduzierung von über 25% konnte ebenso
realisiert werden wie eine Reduzierung der DSO-Kennzahl von über 30%.
Für die Net Working Capital Kennzahl bedeutete dies eine Reduzierung
von über 32% auf 21%. Weiterführende LiteraturSeminarhinweis
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