Rüstzeitreduzierung durch ein ganzheitliches Rüstmanagement
[23.01.2007]
Die aktuellen Trends wie die steigende Anzahl der
Produktvarianten, die vom Markt geforderte kürzere Durchlaufzeit für
die Produktherstellung, verkürzte Produktlebenszyklen und der Einsatz
bestandsoptimierender logistischer Prinzipien haben einen degressiven
Einfluss auf die Losgrößen in der Produktion. Durch die gestiegene
Anzahl von Sortenwechsel erhöhen sich die Anzahl der durchzuführenden
Rüstprozesse, was sich negativ auf die Anlagenverfügbarkeit auswirken
kann. Als Lösung des Dilemmas wird ein ganzheitliches Rüstmanagement
benötigt, das die Leitlinien Beherrschen, Reduzieren und Vermeiden von
Rüstprozessen ermöglicht.
Die Vorgehensweise des TCW für die Reduzierung der Rüstzeiten
umfasst ein ganzheitliches Konzept, das die einzelnen Subsysteme der
Produktion unter Berücksichtigung von Interdependenzen mit anderen
Zielgrößen rüstoptimal ausrichtet. Die Optimierung des eigentlichen
Rüstprozesses erfolgt durch eine detaillierte Prozessanalyse. Im Sinne
eines SMED-Ansatzes wird zwischen internen Rüsttätigkeiten, für die
eine Maschine still stehen muss, und externen Arbeitsschritte, die
während des Betriebs der Maschine ausgeführt werde können,
unterschieden. Ziel einer Prozessoptimierung ist die weitgehende
Externalisierung von Rüstaufgaben, um die unproduktiven
Stillstandzeiten der Maschinen zu reduzieren. Für die Prozessanalyse
bieten sich Netzplantechniken, Gant-Diagramm-Analysen oder
Prozesssimulationen an. Das TCW-Konzept für die
Rüstzeitreduzierung geht über die reine Prozessoptimierung hinaus.
Innerhalb des Produktionssystems können durch eine Fertigungssegmentierung
Rüstprozesse synchronisiert und die Planungskomplexität für die
Auftragsfreigabe reduziert werden. Weitere Methoden für die
Prozessoptimierung sind die Anwendung von Rüstmatrizen für die
Reihenfolgeplanung von Produktionsaufträgen sowie eine Losgrößenplanung
unter Berücksichtigung von Rüstkosten auf Basis einer
Prozesskostenrechnung. Durch eine Verzahnung von Rüst- und
Instandhaltungsprozessen sowie eine Verknüpfung mit elektronischen
Überwachungs- und Diagnoseinstrumenten können Stillstandszeiten
reduziert und unproduktive Arbeiten parallelisiert werden. Die Gruppenarbeit, Problemlösungsgruppen und Center Strukturen ermöglichen eine Übertragung der Rüstverantwortung auf die operative Ebene.
Die Delegation von Verantwortung wird mit Methoden der Kontinuierlichen
Verbesserung verknüpft. Im Rahmen eines kontinuierlichen
Ideenmanagements durch GENESIS-Workshops oder einem innerbetrieblichen
Vorschlagswesen wird das Ideenpotenzial der Mitarbeiter für die
Optimierung der Rüstprozesse genutzt. Für die Implementierung eines
kontinuierlichen Verbesserungsprozesses zur Reduzierung von Rüstzeiten
sind flexible Arbeitszeiten und Incentivesysteme weitere flankierende
Maßnahmen. Durch die Einführung eines Produktordnungssystems
kann auf Bauteilebene die Anzahl der Teilevarianten reduziert werden.
Durch eine intelligente Kombination der einzelnen Bauteile kann eine
hohe äußere Vielfalt mit einer geringen internen Komplexität realisiert
werden. Durch die Anwendung von Leitlinien der Produktionsgerechten Produktgestaltung bei der
Produktentwicklung werden die Anforderungen der Fertigungs- und
Montageschritte in der Detailkonstruktion von Bauteilen berücksichtigt,
so dass Rüstwechsel durch flexible Werkzeuge vermieden oder der Aufwand
für den Umbau reduziert werden kann. Die Ergebnisse von durchgeführten Projekten spiegeln den Erfolg des TCW-Konzepts für die Reduzierung des Rüstaufwands
wieder. So konnten die Durchlaufzeiten der Rüstprozesse im Durchschnitt
um 35%, der Bearbeitungsaufwände um 20% sowie die
Maschinenstillstandzeit um 35% gesenkt werden. Durch eine optimierte
Auslauf- und Anlaufplanung konnte die Anlagenproduktivität um 40%
erhöht werden. Der neu erschienene Leitfaden "Rüstzeitmanagement: Leitfaden zur Reduzierung des Rüstaufwands und Steigerung der Anlagenproduktivität"
stellt ein ganzheitliches und in der Praxis erfolgreich eingeführtes
Konzept für die Optimierung von Rüstprozessen dar. Der Leitfaden wendet
sich an Praktiker aus den Bereichen Produktion, Organisation, Logistik
und Entwicklung sowie an Dozenten und Studenten der
Betriebswirtschaftslehre. Weiterführende LiteraturVeranstaltungen und SeminareWeitere News und Fallstudien zu dem Themenbereich
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